Kneipp-Therapie: Kneippen ist immaterielles Kulturerbe

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat Anfang Dezember bekannt gegeben, dass das „Kneippen als traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.

Der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) entwickelte im 19. Jahrhundert das nach ihm benannte (Hydro-) Therapieverfahren, das neben Wasseranwendungen wie (Kneipp-) Güsse und Wassertreten auch Elemente der Ernährungs-, Bewegungs- und Phytotherapie beinhaltet. Grund für seine Überzeugung war, dass dem an schwerer Lungentuberkulose erkrankten Kneipp ausgiebige Kaltbäder (5-10°C) in der Donau halfen, seine schwere Erkrankung zu heilen.
Die alternative Heilmethode ist nicht als ein Gegensatz zur Schulmedizin zu verstehen, sondern soll als ergänzendes Verfahren eingesetzt werden.

Fünf Säulen der Kneipp-Medizin:

  1. Hydrotherapie: es gibt etwa 120 verschiedene Anwendungsformen, wie z.B. Waschungen, Güsse, „Blitzgüsse“, Wickel, Bäder oder Kräuterbäder.
  2. Ernährungstherapie: Vollwertkost – eine ausgewogene Ernährung bildet den Grundstein für ein gesundes und aktives Leben.
  3. Bewegungstherapie: auf einengende Kleidung verzichten und in den Alltag Bewegung und leichte Sportarten integrieren. Zur nachhaltigen Steigerung des Wohlbefindens und Stärkung der Körperkräfte.
  4. Phytotherapie: nutzt die Kraft der Heilpflanzen und Kräuter und findet Verwendung in Tees, Dragees, Badezusätzen oder Salben.
  5. Ordnungstherapie: betrifft die bewusste Lebensführung und –gestaltung. Wer sich regelmäßig die Zeit nimmt, abzuschalten, tief zu entspannen und mit allen Sinnen zu genießen, kann den harmonischen Lebensrhythmus finden.

Das Heilprinzip
Das Wirkprinzip der Therapie beruht auf einer Reizreaktion des Körpers auf die kneippschen Methoden. Durch milde oder stärkere Reize sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt werden. Das Therapieverfahren kann sowohl präventiv als auch kurativ eingesetzt werden.
Die Wirksamkeit dieser Methode ist zwar nicht wissenschaftlich belegt, trotzdem kann eine regelmäßige Anwendung bei Bronchitispatienten zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose, Lebensqualität und –erwartung führen. Auch Beschwerden, die durch Krampfadern verursacht werden, können durch die Kur gelindert werden.
Kalt-warme Temperatureinflüsse regen den Blutkreislauf an und fördern dadurch den Stoffwechsel und die Entschlackung des Körpers.

Kneipp-Kur: 
Die Kur wird an anerkannten Kneippkurorten durchgeführt und sollte drei bis vier Wochen andauern. Bestandteil der Kur sind die fünf Säulen der Heilmethode von Sebastian Kneipp. Angezeigt ist die Kur bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, orthopädischen Beschwerden, bei Abwehrschwäche und vegetativen Störungen.
Hier finden Sie einen Kneippkurort in ihrer Nähehttp://www.kneippverband.de/karte/


Tipps für Zuhause: so können Sie eine kleine Kneipp-Kur in ihren Alltag integrieren
Kneipp-Kur unter der Dusche: Wassergüsse
Wenn es morgens ganz schnell gehen soll
: schon ein kleiner kalter Guss am Anschluss an die heiße Dusche ist ein idealer Muntermacher am Morgen und kurbelt ihren Kreislauf an!

Wenn Sie 5 Minuten länger Zeit haben: runden Sie ihr Duschprogramm mit drei Kneipp-Güssen (abwechselnd kalte und warme Güsse) ab.
So einfach geht´s:
Starten Sie rechts unten am äußeren Fußknöchel und wandern Sie langsam mit dem kalten Wasserstrahl bis zu ihrer Taille hoch, harren dort aus (bis 5 zählen), um dann auf der Innenseite bis zum inneren Fußknöchel hinunterzufahren. Die gleiche Prozedur folgt auf der linken Seite.
Anschließend sind die Arme an der Reihe: beginnen Sie am rechten Handgelenk und wandern sie zur Schulter hoch, halten dort den Guss (erneut bis 5 zählen) um an der Innenseite abzugleiten – danach  folgt ebenfalls die linke Seite.
Nach dem gleichen Schema erfolgt dann ein Durchgang mit einem warmen Wasserstrahl. Beenden Sie die Kneipp-Kur immer mit einem kalten Wasserguss!
Nach drei Durchgängen fühlen Sie sich mit Sicherheit topfit, gut gelaunt, gehen gestärkt in den Tag und haben zudem etwas Gutes für ihren Kreislauf, ihre Durchblutung und Abwehr getan.

Kneipp-Kur gegen Müdigkeit am Tag: kalte Arm- oder Gesichtsgüsse für zwischendurch
Ein Muntermacher schnell und zuverlässig: kalte Armgüsse unter dem Wasserhahns des Waschbeckens beleben Körper und Geist und wirken gegen Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Kneipp-Kur bei beginnenden Erkältungen: ansteigende Fußbäder

Kneipp-Kur im eigenen Garten: Wassertreten
Nutzen Sie ihren schönen Rasen im Garten und freuen sich in Zukunft über Morgentau, Regengüsse und Schneefall: einfach Schuhe und Strümpfe ausziehen und Barfuss rausgehen zum Wasser-, Tau- oder Schneetreten. Schon die einmalige Anwendung härtet den Körper ab und bringt den Stoffwechsel nachweislich in Schwung.

Weitere Informationen zum Thema gibt es beim Kneipp-Bund e.V., dem Dachverband für rund 600 Kneipp-Vereine: Kneipp-Bund e.V.

Thalasso

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