Burnout-Syndrom: gestresst, müde und ausgebrannt

Das Burnout-Syndrom beschreibt einen extremen Zustand der totalen Erschöpfung. Eigentlich kann es jeden Menschen treffen, besonders häufig betroffen sind aber Menschen, die eine ganz spezifische Persönlichkeitsstruktur aufweisen: es sind stark engagierte Menschen mit hohen Ansprüchen und hohen Erwartungen an ihre eigenen Leistungen. Sie sind tüchtig, pflichtbewusst und sehr genau im Erledigen ihrer Aufgaben und definieren sich auch häufig einzig über ihre erbrachte Leistung und ziehen daraus ihre Selbstbestätigung.

Es wurde festgestellt, dass die Ursache für die Entstehung eines Burnouts oftmals in der Herkunftsfamilie liegt, aufgrund der Erfahrungen, die innerhalb des Wertesystems der Familie erlebt wurden. Fehlte in einer Familie die bedingungslose Anerkennung und Wertschätzung und wurde immer nur dann das Gefühl vermittelt, wertvoll zu sein, nachdem eine Leistung erbracht wurde, versuchen diese Menschen auch im Erwachsenenalter auf diese Art und Weise Zuwendung und Liebe zu bekommen, indem sie übermäßig Leistung erbringen.
Besteht eine solche individuelle Veranlagung und kommt dann noch der Faktor „negativer Stress“ aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen oder Gesellschaftsnormen hinzu, kann das Burnout-Syndrom sich langsam und sicher entwickeln.
Stressige Phasen kennt jeder Mensch und Stress ist per se nicht immer negativ behaftet. Negativer Stress meint in diesem Zusammenhang, dass der Körper dauerhaft unter Stress steht, dauerhaft die „Stress“-Hormone Kortisol, Adrenalin und Noradrenalin etc. produziert und letztendlich nicht mehr in der Lage ist, eine Entspannungsphase zu erreichen und sich zu regenerieren. Das Wechselspiel zwischen individueller Persönlichkeitsstruktur und veränderten Arbeitsbedingungen oder Gesellschaftsnormen, die zum Dauerstress werden, führen letztendlich zur körperlichen und seelischen Erschöpfung.

Folgen des Burnout-Syndroms
Das Burnout-Syndrom bleibt nicht ohne gravierende Folgen. Es kann viele weitere Beeinträchtigungen verursachen, wie z.B. eine Schwächung des Immun- und Herzkreislauf-Systems. Außerdem können Denkblockaden, Gedächtnisschwäche, Appetitstörungen, Libidoverlust und Stoffwechselstörungen hervorgerufen werden. Auch psychosomatische und depressive Symptome sind die Folge.

Ein Teufelskreis entsteht:
Erste Anzeichen für ein Burn-out-Syndrom sind Ermüdungserscheinungen, die dann beim Betroffenen dazu führen, dass er noch mehr Einsatz und Leistung zeigt. Der Teufelkreis beginnt, denn die daraus entstandene Überlastung führt zum emotionalen Rückzug und zu einer Zunahme der Erschöpfung. Die größer werdende Erschöpfung führt dann weiter zu einer verminderten Leistungsfähigkeit, welche jedoch vom Betroffenen ignoriert wird und er versucht durch noch mehr Leistung und Arbeitseffizienz diesen Zustand zu kompensieren, was ihm dann irgendwann nicht mehr gelingt. Am Ende steht die totale Erschöpfung von Körper und Seele.

Therapie des Burn-out-Syndroms: medizinische und psychotherapeutische Behandlung
Zunächst erfolgt eine stationäre Behandlung, wenn z.B. eine zusätzliche Depression besteht.
Elementar wichtig ist die Distanzierung zur Burn-out-Situation, die durch einen Klinikaufenthalt und Krankschreibung erfolgt.
Das Ziel der Therapie ist, dass das individuelle Burn-out-Muster erkannt wird, wie es dazu gekommen ist, um dann neue Denk- und Handlungsalternativen zu entwickeln. Auch die Erkundung des beruflichen und privaten Umfelds, das Auflösen der Fixierung auf die Arbeit und Leistung, neue Schwerpunkte setzen, andere Dinge entdecken, die das Selbstwertgefühl stärken wie z.B. Sport oder soziale Kontakte, die bisher als eher unwichtig und belanglos angesehen wurden, sind wichtige Bestandteile der Behandlung.
Häufig muss aus der bisherigen Karriere ausgestiegen werden und das ist fast immer ein schmerzhafter Prozess – dafür entsteht aber mehr Lebensqualität und Lebensfreude.

In der 2. Ausgabe der Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift 2012 (Seite 23) ist eine Übersicht erstellt:
Was kennzeichnet einen Burnout-Gefährdeten?
– hoher Leistungsanspruch an sich selbst (Macher-Typen, High-Performer)
– hoher Idealismus
– überzogener Perfektionswille
– starke Versagensängste
– hohe oder unrealistische berufsbezogene Erwartungen
– intensiver Wunsch nach leistungsbezogener Anerkennung
– Ehrgeiz und das Bedürfnis sich zu beweisen
– Identifikation mit der Arbeit und Perfektionismus sind stark ausgeprägt, Neinsagen fällt in der Regel schwer, z.B. aus Angst vor Zurückweisung oder Ablehnung.
– Mangelnde Distanz zur Arbeit
– Überidentifikation mit der Arbeit
– Freizeitausgleich ist entweder nicht vorhanden oder Freizeitaktivitäten dienen ebenfalls als Leistungsbeweis.
– Misstrauen in die Fähigkeiten anderer
– Überschätzung der eigenen Fähigkeiten („Ich bin unersetzlich“)
– Resignation, Überdruss, und Unzufriedenheit als Folge des überzogenen Leistungsanspruchs
– Verleugnung körperlicher und seelischer Warnsignale

Weiter Infos zum Thema „Burnout“ erhalten Sie unter folgenden Web-Adressen:

Burnout Zentrum e.V. ist ein Zusammenschluss von Experten unterschiedlicher spezifischer Berufsgruppen rund um die Themen Burnout-Syndrom und Stressprävention.
Das Team besteht aus Psychologen/Psychotherapeuten, Ärzten, Heilpraktikern, Trainern, Coaches, Körpertherapeuten, Ernährungsexperten und anderen spezifischen Berufsgruppen mit der Bereitschaft, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten: der Prävention und Behandlung von Stress-Symptomen und -Erkrankungen.

Selbsthilfe finden Sie unter: www.burnout-selbsthilfe.de.tl/

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